Die Rotenberger Dorfkirche

Die Rotenberger Dorfkirche liegt im Zentrum des alten Ortskerns, der als Gesamtanlage unter Denkmalschutz (Ensembleschutz) steht. Die Kirche, die auch als Einzelgebäude geschützt ist, wurde in der Zeit des Herzogs Karl Eugen, von 1754 bis 1756, unter Leitung eines unbekannten Baumeisters in einfachem protestantischem Barockstil errichtet. Vorgängerbau war eine kleine spätgotische Kapelle von 1495 bis 1497. Markante Reste dieses Bauwerks sind die beiden gotischen Maßwerkfenster im Untergeschoss des Turmes, das heute als Sakristei dient. Eines davon wurde 1956 von der bekannten Rotenberger Künstlerin Käthe Schaller-Härlin neu gestaltet. Es stellt in klaren leuchtenden Farben die Auferstehung dar. Die erste Rotenberger Kirche war die Kapelle in der ehemaligen Burg auf dem Württemberg. Sie wurde 1083 geweiht und diente auch den Bewohnern der benachbarten Burgsiedlung Rotenberg als Gotteshaus, bis die württembergischen Grafen um 1320 ihre Residenz nach Stuttgart verlegten. Die heutige Kirche ist ein Saalbau mit Zeltdach auf fast quadratischem Grundriss.

Der Turm mit hübscher Zwiebelhaube und ausdrucksstarkem Turmhahn ragt als Wahrzeichen des Weinortes Rotenberg von weither sichtbar über die Häuserdächer. Im Innenraum sind Taufstein, Altar und hochgesetzte Kanzel hintereinander gruppiert. Die Bankreihen stehen so, dass sich die Gemeinde von drei Seiten her um das Zentrum schart.

Voll besetzt wirkt der Raum wie eine gute Stube. Die hölzerne Empore wird von fünf Holzsäulen getragen. Vor der Balustrade hängt ein geschnitzter Kruzifixus. Ein großformatiges Ölgemälde zeigt die Reformatoren Luther und Melanchthon. Beide Werke stammen wohl aus dem 18. Jahrhundert.

Wegen starker Schäden an Decken und Wänden wurde 2002 der Innenraum der Rotenberger Kirche sorgfältig renoviert. 1999 hatte der Restaurator Erwin Raff Reste des ursprünglichen Blattgoldes auf erhabenen Teilen der barocken Stuckdecke wiederentdeckt. Sie waren irgendwann später weiß überstrichen worden.

Bei der Innenrenovierung wurde in präziser Feinarbeit die gesamte historische Farbgebung der Kirche wiederhergestellt. Mit ihrem leuchtenden Kalkweiß und den zarten Vergoldungen sieht die prächtige Stuckdecke wieder so aus wie 1756. Eine himmelblaue Rundung leitet über zu den Seitenwänden. Sie sind - wie einst – in hellem Eierschalenton gehalten.

Die hölzerne Empore und die Kanzel sind in einer eleganten Kombination aus Grau und Blau bemalt, dezent abgesetzt mit goldenen Streifen. Auf der Unterseite des Kanzeldeckels ist ein altes Bild freigelegt worden: eine Taube, Symbol des Heiligen Geistes, umgeben von Sonnenglanz und Wolkendunkel.

Höhepunkte des gottesdienstlichen Lebens in der Rotenberger Kirche sind u.a. das Erntedankfest mit prächtig geschmücktem Erntedankaltar, das Krippenspiel der Rotenberger Kinder an Heilig Abend und die „Herbstbetstond“, ein Gottesdienst zur Weinlese mit einer Predigt in schwäbischer Mundart. Er findet jedes Jahr an einem Sonntagabend im Oktober statt, in der Regel unmittelbar vor der Hauptlese.

Einmal war die Rotenberger Kirche Schauplatz einer Episode der Weltgeschichte. 1813 nach der Niederlage Napoleons in Russland und danach in der Völkerschlacht bei Leipzig, kamen russische Truppenteile auf dem Weg nach Paris auch durch Bad Cannstatt.

Russische Offiziere wurden in Rotenberg einquartiert. Aber wohin mit den Pferden? Kurzerhand öffneten die orthodoxen Russen die Türen der evangelischen Dorfkirche und funktionierten sie für ein paar Tage zum Pferdestall um.

 

Wir hoffen, dass Sie sich in unserer Kirche wohl fühlen, sie als Gotteshaus erleben und gesegnet und gestärkt weitergehen.